Scheinträchtigkeit

Scheinträchtigkeit

01.10.2017

Um die Scheinträchtigkeit zu verstehen, müssen wir erst einen kleinen Ausflug in den hormonellen Zyklus unserer Vierbeiner starten. Die Geschlechtsreife beginnt je nach Größe und Rasse zwischen dem 6 und 12 Lebensmonat (bei kleinen Hunden wie z.B. Chihuahua auch mal früher, bei sehr großen Rassen wie z.B. Kaukasischer Owtscharka auch mal später). Die Zuchtreife beginnt zwischen dem 18 bis 24 LM (in der Regel werden Hündinnen ab dem 2 LJ gedeckt, optimaler Weise max. 3 mal im Leben, dh 1x im 2 LJ, 1x im 4 LJ und das letzte Mal kurz vor dem 6 LJ). Der Zyklus ist Diöstrisch, das heißt die Hündin wird in der Regel 2x im Jahr läufig, also alle 6-8 Monate für ca. 21 Tage.

Der Zyklus wird eingeteilt in Ovarieller, Eileiter- uteriner und vaginaler Zyklus. Der Ovarielle Zyklus steuert übergeordnet alle Vorgänge am Eierstock und zwar das Heranreifen von Follikeln, den Follikelsprung sowie die Aus- und Rückbildung der Gelbkörper.

Die Scheinträchtigkeit kommt noch aus der Zeit der Wölfe bzw. wildlebenden Hunden. In einem Wolfsrudel zeugen nur die ranghöchsten Tiere Nachwuchs. Der hormonelle Zyklus der Fähen findet in der Regel synchron statt. Mit der Scheinträchtigkeit, werden Muttertiere im Rudel bei der Aufzucht unterstützt. Sollte das Muttertier sterben, können die anderen Fähen die Welpen mit Milch versorgen. Die Scheinträchtigkeit ist in einem Wolfs- oder Wildhunderudel überlebenswichtig und ein ganz natürlicher Vorgang. Bei den Verhaltensänderungen handelt es sich deshalb NICHT um eine Verhaltensstörung.

Die Scheinträchtigkeit beginnt ca. 6-8 Wochen nach der Läufigkeit und kann folgende Symptome mit sich bringen:

  • starke Müdigkeit, ggf. ruhiger, zurückgezogener, lethargisch, depressiv
  • anhänglich & verschmust
  • horten von Kuscheltieren und Spielzeug
  • Nestbau
  • verringertes/vermehrtes Fressen/Trinken mit ggf. Zu-/Abnahme des Körpergewichtes
  • vermehrtes Gras fressen, Übelkeit, Erbrechen
  • Milchbildung
  • Aggressivität
  • verminderter Spieltrieb, verminderter Antrieb, ggf. erhöhte Territorialität

Vereinfacht und verkürzt zusammengefasst (die Vertiefung der hormonellen Vorgänge erspare ich euch an dieser Stelle), wird die Scheinträchtigkeit durch eine sehr lange Einwirkung von Progesteron (Gelbkörperhormon, die Gelbkörperphase dauert unabhängig von einer Aufnahme/Trächtigkeit ca. 60 Tage) mit anschließendem Anstieg von Prolaktin im Blut (auch Blutprolaktinspiegel genannt) ausgelöst. Das Prolaktin wiederum bedingt ebenfalls auch die Milchbildung.

Betroffen ist im Prinzip jede intakte Hündin, aber die Symptome treten unterschiedlich hervor und bei manchen sogar so gut wie gar nicht.

Die Scheinträchtigkeit stellt ggf. eine psychische Belastung sowohl für die Hündinnen wie auch für den Halter (oder im Hause lebende Rüden dar). Durch den Auf- und Abbau des milchbildenden Drüsengewebes kann es u.U. auf lange Sicht häufiger zu Tumoren am Gesäuge kommen, was im Gegenzug allerdings nicht heißt, dass eine Kastration Krebs verhindert, im Gegenteil, meist bildet sich dieser dann an anderer Stelle. Zum Thema Kastration empfehle ich Euch das Buch: Kastration und Verhalten von Udo Gansloßer und Sophie Strodtbeck.

Was kann der Halter tun?

  • Fütterung von Vitamin B6 ab Beginn Läufigkeit bis 2 Monate danach ins Futter (hemmt Prolaktin)
  • Himbeerblatt ab Beginn der Läufigkeit ins Futter geben
  • Alle Spielsachen und Kuscheltiere wegräumen
  • Futter ab Läufigkeit für ca. 3 Monate reduzieren (Nahrungskarenz)

Behandlungsmöglichkeiten

Schulmedizinisch über Ihren Tierarzt:

  • Hormonpräparate wie Contralac oder Galastop
  • Kastration
  • Hormonelle Unterdrückung der Läufigkeit

Naturheilkundlich über Tierheilpraktiker:

  • Kräuterheilkunde
  • Traditionelle Chinesische Medizin (Kräuterheilkunde/Akupunktur)
  • Bioresonanztherapie
  • Bachblütentherapie begleitend
  • Homöopathisch

Gerne unterstütze ich Sie bei der Behandlung Ihres Hundes.

Herzliche Grüße

Tierheilpraxis KräuterTierchen